Unsere Bewohner

zur BildergalerieDas Suchtmittel - Alkohol oder Alkohol in Kombination mit Tabletten - hat das Ich des Menschen immer weiter hinausgetrieben und sich als "Herr im Haus" eingesetzt, dabei vieles zerstört. Jetzt muss der Mensch in sich zurückfinden, soweit das noch möglich ist. Die Gedächtnisstörungen, die zwar nicht bewusst sind, aber doch als Unsicherheit und Orientierungslosigkeit im Gefühl erlebt werden und Angst machen, der Verlust der eigenen Biographie und damit des Gefühles der Kontinuität (ich war - ich bin - ich werde sein), Schuldgefühle und schlechtes Gewissen, Ausgeliefertsein an Stimmungen, und bei allem das (zutreffende) Gefühl, keinen Boden unter den Füßen zu haben - das meinen wir mit Heimatlosigkeit, oder Wurzellosigkeit.

Wie gehen wir nun im Hof Freiberg damit um. Wir versuchen, den Menschen eine Heimat zu geben, indem wir eine stabile, sichere Umgebung schaffen, mit festen Strukturen, die Halt gibt, wo das eigene Rückgrat nicht mehr oder noch nicht stark genug ist. Strukturen, zum Beispiel im Tages- und Wochenablauf, üben auch das Gedächtnis, weil sie mit der Zeit erinnert (verinnerlicht) werden.

zur BildergalerieDa unsere Bewohner kaum durch Worte und Belehrungen (die vergessen werden), aber sehr gut durch eigenes Tun lernen und Erfahrungen machen können, leiten wir sie täglich an, sich in ihrer häuslichen Umgebung und der Gemeinschaft zu beschäftigen. Dadurch entsteht wieder Selbst-Bewusstsein, Verantwortungsgefühl und Stolz.

In der Gruppe werden soziale Fähigkeiten geübt, es wird Gemeinschaft erlebt und auch der Unterschied zwischen Ich und Du. Mit der Zeit wird der "eigene Platz" erobert. Die Bewohner lernen, wieder Interesse und Freude zu erleben, und kommen so mehr und mehr "zu sich".

zur BildergalerieWenn man bedenkt, dass über Jahre oder Jahrzehnte getrunken wurde und die organischen Grundlagen bereits angegriffen sind, ist es nicht verwunderlich, dass Änderungsprozesse Monate oder Jahre brauchen. Es geht nicht "schnell wieder weg", und wir wissen nicht, wie weit der einzelne Bewohner überhaupt wieder zu sich zurück finden wird und ob er wieder allein leben und zurechtkommen kann. Dabei spielt auch die Alkoholproblematik eine Rolle, die meist nicht bewusst ist, und die Gefahr auch eines "versehentlichen" Rückfalls - da ja Alkohol in unserer Gesellschaft jederzeit und überall verfügbar ist. Ein Alkoholrückfall würde für unsere Bewohner, aufgrund ihrer Vorschädigungen, das Todesurteil oder zumindest ein weiteres Dasein als schwerer Pflegefall bedeuten. Wir sehen es auch als unsere Aufgabe an, sie vom Alkohol fern zu halten. Sie selbst sind in diesem Bereich nicht mehr verantwortungsfähig (denn Verantwortung setzt Bewusstsein voraus).

Der Hof Freiberg ist keine geschlossene Einrichtung und will das auch nicht sein. Aber als geschlossen im Sinn einer Schutzhülle möchten wir die therapeutische Atmosphäre für die Bewohner gestalten.

Hannelore, 60

Hannelore (geänderter Name) wuchs mit sechs Geschwistern in einer Familie auf dem Land auf. Sie lernte Bürokauffrau, heiratete und zog mit ihrem Mann in eine Großstadt, wo sie in einer großen Firma als Abteilungsleiterin in der Buchhaltung tätig war. Sie und ihr Ehemann wurden alkoholabhängig.
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Michael, 30

Michael (geänderter Name) kommt aus einer Familie mit drei Kindern. Der Vater verstarb durch Alkohol, als er drei Jahre alt war. Die Mutter nahm Drogen und trank Alkohol, es wohnten immer Bekannte mit in der Wohnung, die ebenfalls Drogen nahmen. Die Kinder wurden bei den Parties, weil sie störten, mit Ohrfeigen ins Kinderzimmer geschickt.
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Sebastian, 60

Sebastian (geänderter Name) wurde als uneheliches Kind geboren und früh von einer angesehenen Beamtenfamilie adoptiert. Wie es in dieser Familie üblich war, sollte er das Abitur machen und Jura studieren. Der Adoptivvater war sehr streng. Sebastian hatte ständig Angst, zu versagen, und bekam schon als Schulkind Medikamente gegen Angst und Schlaflosigkeit. Während der Pubertät begann er zusätzlich Alkohol zu trinken.
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