Michael, Mitte 30

Vorgeschichte:

Michael (geänderter Name) kommt aus einer Familie mit drei Kindern. Der Vater verstarb durch Alkohol, als er drei Jahre alt war. Die Mutter nahm Drogen und trank Alkohol, es wohnten immer Bekannte mit in der Wohnung, die ebenfalls Drogen nahmen. Die Kinder wurden bei den Parties, weil sie störten, mit Ohrfeigen ins Kinderzimmer geschickt. Michael fand seine Mutter mehrmals bewusstlos und zog ihr die Nadel aus der Vene. Er begann schon mit acht Jahren ebenfalls zu trinken, und probierte dann alle erreichbaren Drogen und Medikamente aus. Nach der Hauptschule fing er mehrere Lehrstellen an, trampte einige Zeit durch Europa und begann dann ein Praktikum in einem Altenheim, wo er sehr beliebt war, aber wegen Trunkenheit und Drogen gekündigt werden musste. Suchtberatungen und Therapien brach er nach kurzer Zeit ab, weil er meinte, allein aufhören zu können.

Schließlich wurde er körperlich abgebaut wegen Desorientiertheit und Gedächtnisverlust in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Michael wurde nach acht Monaten in der psychiatrischen Klinik in den Hof Freiberg verlegt.


Im Hof Freiberg

Michael hatte in den ersten Wochen erhebliche Orientierungsstörungen. Er hatte Probleme mit dem Gehen und dem Gleichgewicht. Er redete kaum, seine Sprache war undeutlich und verwaschen, auch hatte er Schwierigkeiten, Worte zu finden, war schüchtern und traurig. Michael besaß nichts außer der Kleidung, die er bei der Aufnahme trug. Nach einer längeren Eingewöhnungszeit schloss sich Michael sehr an die Heimleiterin an, wollte gern überall mithelfen und begann von sich aus, jeden Morgen im Flur Staub zu wischen.

Er begann zu sprechen, erzählte, dass wir nun seine Familie seien, umarmte uns und sagte, dass er nun für immer hier bleiben wolle. Oft weinte er auch, wenn ihm etwas nicht gelungen war. Als er hier sicherer wurde, wünschte er sich eine "richtige Arbeit", also nicht im Haushalt, und wir nahmen ihn mit in den Garten, wo ein Beet angelegt werden sollte. Er half dabei mit großer Begeisterung, seine physischen Kräfte (Gleichgewicht, Koordination) und seine psychischen wuchsen mit der Aufgabe, er wurde stabiler und auch seine Sprache wurde besser. So konnte er sich seinen Platz in der Wohngruppe erobern und war sehr stolz darauf. Michael ist bis jetzt sehr sensibel und emotional, reagiert heftig auf (vermeintliche) Zurücksetzungen, missversteht auch oft Situationen, will bei Kritik gleich alles hinwerfen oder bricht in Tränen aus. Er kann sich aber auch freuen wie ein Kind und das zeigen, etwa über neue Bekleidung, einen Ausflug oder ein Lieblingsessen.

Seit er wieder sprechen kann, erzählt Michael oft lange Geschichten - von Bauer Kölbrand, der mit dem Traktor kleine Katzen aus der Nordsee gerettet hat, von seinem Bruder, der eine Bank überfallen hat ("macht nichts - die haben ja genug Geld!"), oder von einem Esel, der singen konnte und dann von einem Panzer überfahren wurde. Oft erfindet (konfabuliert) er Geschichten um tatsächliche Ereignisse oder Beobachtungen herum, und er kann sehr böse werden, wenn man ihm nicht glaubt oder sagt, er lügt. Michael wird auch noch manchmal böse, wenn er baden soll, dann droht er uns mit der Faust und will die Polizei holen. Einmal ist er tatsächlich aus dem Haus gelaufen, hatte über den Notrufhebel in einer Telefonzelle 110 angerufen - und der Polizei erklärt, er wolle nach Hause zum Hof Freiberg. Hier fiel er uns weinend um den Hals .

Michael ist insgesamt stabiler und gut lenkbar geworden, hat aber Phasen, in denen er sehr verwirrt ist und in denen er dann beispielsweise Tischdecken, Bettwäsche, Wäsche in kleine Fetzen zerreißt, die er anderen als Taschentuch anbietet, oder morgens, sein Hemd als Hose und die Hose als Mütze auf dem Kopf, beim Frühstück erscheint, oder alles missversteht und glaubt, die anderen reden schlecht von ihm und dann aggressiv wird. Es sind zumeist Zeiten, in denen er verunsichert ist, wie Weihnachten, Urlaub einer Mitarbeiterin oder Unruhe im Haus, wofür er sehr feine Antennen hat. Da er auch kein Empfinden mehr für körperliche Schmerzen hat, wird er bei Krankheiten (Entzündungen, Schnupfen) nur verwirrt und unwirsch, sagt aber nicht, dass ihm etwas wehtut.

Für Michael ist der Hof Freiberg sein Zuhause, die Bewohner und Mitarbeiter sind seine Familie geworden, und er ist gern hier. Er hat, als "schwächstes Glied", seinen Platz in der Gruppe und wird von allen so akzeptiert, wie er ist.

Hannelore, 60

Hannelore (geänderter Name) wuchs mit sechs Geschwistern in einer Familie auf dem Land auf. Sie lernte Bürokauffrau, heiratete und zog mit ihrem Mann in eine Großstadt, wo sie in einer großen Firma als Abteilungsleiterin in der Buchhaltung tätig war. Sie und ihr Ehemann wurden alkoholabhängig.
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Michael, 30

Michael (geänderter Name) kommt aus einer Familie mit drei Kindern. Der Vater verstarb durch Alkohol, als er drei Jahre alt war. Die Mutter nahm Drogen und trank Alkohol, es wohnten immer Bekannte mit in der Wohnung, die ebenfalls Drogen nahmen. Die Kinder wurden bei den Parties, weil sie störten, mit Ohrfeigen ins Kinderzimmer geschickt.
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Sebastian, 60

Sebastian (geänderter Name) wurde als uneheliches Kind geboren und früh von einer angesehenen Beamtenfamilie adoptiert. Wie es in dieser Familie üblich war, sollte er das Abitur machen und Jura studieren. Der Adoptivvater war sehr streng. Sebastian hatte ständig Angst, zu versagen, und bekam schon als Schulkind Medikamente gegen Angst und Schlaflosigkeit. Während der Pubertät begann er zusätzlich Alkohol zu trinken.
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